Kinder- und Jugendbuchtipps

James Krüss/Günther Jakobs

Der Reisepudel Archibald

 

 

Boje Verlag

32 S.  ab 4 J.

13,00 Euro

 

 

Bereits 1960 erschien "Der Reisepudel Archibald" im Boje Verlag, war jedoch schon seit vielen Jahren nicht mehr lieferbar. Hin und wieder konnte man ein Exemplar bei Anbietern antiquarischer Bücher finden, allerdings zu enorm hohen Preisen. Klar, denn wer wollte sich schon von so einem wunderbaren Buch trennen? In vielen Familien wurde dieser Schatz von Generation zu Generation weitergegeben. Wer dieses Glück nicht hatte, musste - je nach Zustand - zwischen 75,00 und 120,00 Euro für ein gebrauchtes Exemplar hinlegen. Endlich wurde diesem unhaltbaren Zustand ein Ende bereitet: seit Kurzem ist eine im Format etwas größere, gegenüber meiner Ausgabe von 1960 auch um einige Reiseziele erweiterte und von Günther Jakobs herrlich neu illustrierte Ausgabe des Bilderbuchklassikers für nur 13,00 Euro wieder erhältlich.

"Der Reisepudel Archibald,

der lebte in Paris,

bis er an einem Donnerstag

die schöne Stadt verließ."

Mit diesen Worten beginnt Archibalds großes Reiseabenteuer. Von Paris aus fährt er mit seinem Opel zuerst nach Bern und Rom, danach geht es nach Madrid und Athen, und nach dem Besuch weiterer 10 Städte landet Archibald schließlich wieder in Paris. Doch da ist er nicht mehr allein, denn in Amsterdam hat er das Fräulein Pudelgunde kennengelernt, fortan seine Lebensgefährtin: "Sie hüpfte in sein Auto, als hätte sie's geübt. Und wenn ich mich nicht irre, war Archibald verliebt."

Die Reiseroute können Kinder ganz einfach auf einer neu hinzugekommenen Europakarte nachvollziehen. Einige Begriffe oder Wörter, die heutzutage so nicht mehr benutzt werden, oder die sich im Laufe der Geschichte verändert haben, werden leicht verständlich erklärt.

Die zeitlosen Reime des großen Sprachkünstlers James Krüss wurden an einigen wenigen Stellen geringfügig geändert, haben jedoch ihren Esprit durchweg behalten. Augenzwinkernd und keinesfalls antiquiert, bringen sie Besonderheiten und Typisches der Städte und Länder auf Archibalds Route für Kinder ab 4 Jahren treffend und lustig auf den Punkt. Auch die sehr schön gelungenen Illustrationen von Günther Jakobs bringen frischen Wind in dieses wunderschöne Bilderbuch, ohne ihm seinen nostalgischen Charme zu nehmen.

 

Empfohlen von Ralph Wagner

 

 

Margriet Ruurs, Nizar Ali Badr

Ramas Flucht
 

Aus dem Englischen von Ulli und Herbert Günther
Arabischer Text von Falah Raheem

 

 

 

Gerstenberg Verlag
48 Seiten, für alle ab 5 Jahren
€ 12,95

 

 

„Aufwachen Rama!“ krähte jeden Morgen der Hahn, als wir noch zu Hause wohnten. Ich lag in meinem warmen Bett und hörte zu, wie Mama das Frühstück richtete – Brot, Joghurt und saftige rote Tomaten aus unserem Garten.

Zu Beginn des Bilderbuches erinnert sich Rama an die unbeschwerte Zeit, die sie glücklich und frei mit ihrem Bruder Sami, ihren Eltern und dem Großvater in einem Dorf auf dem Land hatte.
„Aber das war damals. Und jetzt ist jetzt“, heißt es etwas später im Buch. Und jetzt ist Krieg, das Essen wird immer knapper und das Leben im Dorf immer beschwerlicher und lebensbedrohlicher. Viele Menschen sind bereits geflohen, und auch Ramas Familie verläßt eines Tages schweren Herzens ihr Zuhause. Wir erleben verschiedene Stationen und Situationen der langen, beschwerlichen und gefährlichen Reise mit, und schließlich die glückliche Ankunft in der sicheren Fremde.

 

„Die Männer hatten keine Gewehre, es fielen keine Bomben und wir brauchten keinen Angst zu haben.“

Dieses großartige Bilderbuch hat mich sehr beeindruckt und berührt. Der einfache, klare und kindgerechte Text, sowie die ausdrucksstarken Steinbilder verschmelzen zu einem einzigartigen Kunstwerk und erzeugen beim Lesen und Betrachten starke Emotionen.
Gerade in der vermeintlichen Schlichtheit zeigt sich sowohl die Könnerschaft der kanadischen Autorin, als auch die des syrischen Künstlers.

 

„Ramas Flucht“ wird auf deutsch und arabisch erzählt. So wie jedes Wort von Margriet Ruurs wohl gesetzt und keines zu viel ist, so setzt auch Nizar Ali Badr ein Stück Stacheldraht, ein Stöckchen oder einen Faden äußerst sparsam und nur dann ein, wenn es nötig ist. Ansonsten sprechen bei ihm nur die Steine.

Dieses Buch ist ein seltener Glücksfall, ein gelungenes Zusammenspiel von Poesie und Ästhetik.

Das aufschlußreiche Nachwort von Margriet Ruurs erläutert ihre Motivation, dieses Buchprojekt zu verwirklichen und die Hürden im Entstehungsprozess, die es dabei zu überwinden galt.

 

 

Empfohlen von Ralph Wagner

 

 

 

Al Mansoour, Hayfa

Das Mädchen Wadjda

aus d. Engl. v. Frischer, Catrin

ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2016

 

cbt-Verlag

geb., 304 S. ab 10 J.

€12,99

 

 

 

 

Es gibt nichts Schöneres als ein grünes Fahrrad!
                                                    

Die elfjährige Wadjda ist ein energisches und mutiges Mädchen, das Regeln und Konventionen nicht einfach hinnehmen will. Sie macht sich ihre eigenen Gedanken über das Leben in Riad im Allgemeinen und das der Frauen im Besonderen. Warum darf sie nicht wie ihr bester Freund Abdullah Fahrrad fahren? Nichts wünscht sie sich sehnlicher als das grüne Fahrrad im Laden um die Ecke. Doch für Mädchen gehört sich das in diesem Land nicht. Hier schreibt eine Autorin aus der Innensicht ihres Kulturkreises- einem Leben in engen Grenzen, mit Einblicken in die Problematik der Zweitfrau, über die Stellung des Mannes in der arabischen Welt.

"Das grüne Fahrrad wird zum Symbol für Rebellion, Freiheit und Gleichberechtigung. Gleichzeitig drückt Wadjda mit ihrem Wunsch nach einem grünen Fahrrad etwas allgemein Kindliches aus. Die spannende und berührende Geschichte führt in eine fremde Welt. Sie schärft die Wahrnehmung für den arabischen Kulturraum, vermittelt Weltwissen und wirbt um Verständnis und Verstehen. Sie zeigt was Freiheit meint, und wie wichtig es ist, sie zu verteidigen. ....... Die dichte Erzählweise hat Catrin Fischer in ihrer Übersetzung aus dem Englischen gekonnt wiedergegeben.“
(Aus der Jurybegründung zum deutschen Jugendliteraturpreis 2016, Sparte Kinderbuch )

 

 

Empfohlen von Monika Rieth

 

Sonja Danowski

Kleine Nachtkatze

 

 

 

NordSüd Verlag

geb. 48 S., ab 4 J.

€ 19.99

 

 

 

Heute ist für Toni ein besonderer Tag, denn es gibt ein großes Sommerfest im Tierheim. Früh steht Toni auf, setzt sich an den Küchentisch und zeichnet einen Panther, den möchte er für die Tombola im Tierheim spenden. Aber ein Pantherbild reicht als Spende nicht aus, denn die Katzen und Hunde brauchen Futter und Medizin. Deshalb beschließt Toni seine Kuscheltiere zu spenden. Tierheimleiterin Anne freut sich sehr über seine Spende.

Im Katzenzimmer freundet sich Toni mit dem scheuen Kater Valentin an. Er streichelt ihn und singt ihm das Lied von der kleinen Nachtkatze vor.  Valentin schnurrt zufrieden. Vor dem Schlafengehen denkt Toni an Kater Valentin, und er vermisst seine Stofftiere sehr. Zum Trost schenkt ihm Mama ihren alten Stoffkater Paul. Von da an sind Toni und Paul unzertrennlich. Weil Toni sich so gut um Paul kümmert, überrascht ihn seine Mama mit Kater Valentin aus dem Tierheim. Valentindarf für immer bleiben. Jetzt hat Toni endlich ein eigenes Haustier, für das er sorgen kann.
Eine berührende Geschichte mit faszinierenden Illustrationen von Sonja Danowski.
Sonja Danowski wurde für ihre Aquarellillustrationen mehrfach international ausgezeichnet.
                                                               

 

Empfohlen von Monika Rieth

Claire Freedman, Kate Hindley

Anton und Stups

 

 

Thienemann Verlag

32 S., Bilderbuch ab 4 J.

€ 12,99

 

 

 

 

Anton hätte so gerne einen Hund - und er begegnet Stups.

 

Anton ist mit seinen Eltern in die Stadt gezogen. Er vermisst sein altes Zuhause, vor allem seine Freunde. Er verkriecht sich in seinem Zimmer und will niemanden sehen. Aber eines Tages drängt es ihn hinaus, obwohl es in Strömen regnet. Da entdeckt er einen kleinen, weißen, patschnassen Hund, der seine rote Leine hinter sich her schleift. Auf seinem Halsband steht Stups.

Anton schnappt sich die Hundeleine und Stups läuft fröhlich hinter ihm her.

Anton und Stups verbringen einen schönen Tag zusammen, spielen und essen Eis. Seit langem ist Anton wieder glücklich. Aber was, wenn Stups doch jemand anderem gehört? Jemandem, der den kleinen Hund überall sucht? Am Abend sieht Stups ganz traurig aus, und weil Stups am nächsten Tag immer noch traurig ist, bastelt Anton einen Steckbrief von Stups. Er hängt ihn überall auf, aber keiner scheint Stups zu vermissen. Zum Trost besorgt Anton für Stups eine rote Kuscheldecke und Hundespielzeug, und da geht es ihm gleich wieder besser. 

Eines Morgens als Anton mit Stups durch die Gassen der Stadt streift, beginnt Stups auf einmal ganz freudig zu bellen, und reißt sich mit seiner Leine los. Anton rennt hinterher. In einem Park hinter einer Hecke, sitzt traurig ein Mädchen im roten Mantel und roten Stiefeln auf einer Schaukel.  Da weiß Anton sofort wem Stups gehört. Das Mädchen namens Lisa ist überglücklich, Stups wiederzusehen, aber Anton ist traurig. Er fragt Lisa, ob sie ihn mit Stups besuchen möchte. Und Lisa  ist sofort einverstanden..........
Eine herzerwärmendes Bilderbuch vom Freunde suchen und finden, dessen schöne Illustrationen Kinder mit Sicherheit ansprechen.
 

Empfohlen von Monika Rieth

 

Német, Andreas; Schmidt, Hans-Christian

Das schrecklichste Monster der Welt

 

Moritz Verlag

Bilderbuch, geb., ab 4 J

€ 14,95

 

 

 

Ohne Monster geht gar nichts!
 

Die Autoren Andréas Nemet und Hans-Christian Schmidt präsentieren mit diesem Bilderbuch einen neuen Ansatz. Ein kleines grünes Monster nimmt den Kleinen die Angst vor Monstern. Es präsentiert ein wirklich großes rotes Monster. Die Leute lassen alles stehen und liegen und rennen panisch aus der Buchseite. Aber was macht das Kind da! Es läuft nicht weg, sondern blättert mutig Seite für Seite um. Hat es gar keine Angst? Das darf einfach nicht sein. Da fühlen sich das kleine grüne und das große rote Monster herausgefordert. Sie schneiden Grimassen, imitieren die wildesten Tiere. Sie bemühen sogar die Dunkelheit um richtig Angst zu machen. Aber das fordert die Kinder so richtig heraus,  und ganz mutig werden die Seiten weiter umgeblättert. Immer mehr Monster lassen sich wirklich gute Tricks einfallen und müssen dabei staunen, was für unerschrockene Kinder sie vor sich haben.

Bei diesem interaktiven Monsterbuch haben Kinder nicht nur einen Riesenspaß, sondern merken auch wie
                                  

 

Empfohlen von Monika Rieth

 

 

Lisa Moroni/Eva Eriksson
Vorsicht, Krokodil

Aus dem Schwedischen von Ole Könnecke

 

 

Moritz Verlag,

Bilderbuch, geb., 32 Seiten, ab 4 J:

€ 12,95

 

 

Heute hat endlich Papas Urlaub angefangen, und Tora kann es kaum noch aushalten, bis es losgeht. Sie wollen nämlich in den Wald fahren, um in der Natur zwischen wilden Tieren zu zelten. Ginge es nach Tora, könnte das Abenteuer sofort beginnen. Aber Papa meint „in der Wildnis gibt es keinen Laden“ und steuert als erstes einen Supermarkt an – wie langweilig! Tora ist enttäuscht und genervt: Im Wald sollte man doch „Beeren und Pilze suchen und Höhlenmensch spielen“, findet sie. Stunden später, sie sind endlich an ihrem Ziel angekommen, will Tora gleich die wilden Tiere sehen. Und tatsächlich entdeckt sie eine riesige Schlange, vor der sie Papa warnen muss. Doch der lacht nur und hat noch nicht mal einen Schreck bekommen. Er steigt über die Baumwurzel hinweg, schaut weiter auf sein GPS und ist ständig am Telefonieren. Kein Wunder also, dass er Tora höchstens mal auf einen Specht oder ein Eichhörnchen aufmerksam machen will. Die Löwen, Giraffen und Flusspferde um sie herum sieht er natürlich nicht. Tora ist zunehmend sauer. Dann kommen sie an eine Stelle, wo vom Wald  nur noch Baumstümpfe übrig sind. Nun ist Papa enttäuscht: Da ist nicht mehr der „Zauberwald“, den er aus seiner Kindheit in Erinnerung hatte und den er Tora so gerne zeigen wollte. Die spielt derweil ausgelassen mit den Stumpftrollen, die Papa natürlich wieder nicht sieht...
„Vorsicht, Krokodil“ ist ein ganz wunderbares Buch über die Kraft und den Zauber der Imagination und der Phantasie. Es thematisiert die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Kindern und Erwachsenen und deren verschiedene Interpretation der Welt. Die liebevollen und detailreichen, in warmen Farben gehaltenen Zeichnungen geben die unterschiedliche Sicht von Tora und ihrem Papa auf die Landschaft wieder. Bilder und Text ergänzen sich perfekt, und es macht großen Spaß, diesen Text seinem Kind vorzulesen und  in den Bildern gemeinsam immer neue Einzelheiten zu entdecken. Wie Toras Gesichtsausdruck ihren jeweiligen Gemütszustand spiegelt, ist einfach grandios. Es ist ein sehr empfehlenswertes Bilderbuch für Kinder ab 4 Jahren, das aus unterschiedlichen Perspektiven ein gemeinsames Erlebnis werden lässt. Ein wirklich tolles Buch, nicht nur für Väter mit Töchtern.

Empfohlen von Ralph Wagner

Kristina Andres

Nun schlaft mal schön

Elfeinhalb Gutenachtgeschichten von Fuchs und Hase

 

 

 

 

Moritz Verlag

geb.  64 S., ab 3 - 6 J.

€ 14.95

 

 

 

„Fuchs und Hase leben weit weg, hinter den Maulwurfshügeln, in einem kleinen hellen Haus.“  Können sie nicht schlafen, zählen sie gute Nächte (335 an der Zahl). Wünschen sie einander Gute Nacht, stimmen der rauschende Birnbaum, die Himbeeren und die Sterne mit ein. Ist Hase krank und glaubt im Fieber, es schneie, schiebt Fuchs ihn mitten im Frühling im Schlitten durch den Kirschblütenschnee. Ansonsten erleben sie Abenteuernächte im Zelt, transportieren Fische in Kängurus Beutel und üben Schlafen auf Fledermausart.  Kristina Andres Gute-Nacht-Geschichten von Fuchs und Hase wärmen das Herz. Sie erzählen von Freundschaft, Geborgenheit und dem Leben auf dem Lande.

 

Empfohlen von Monika Rieth

 

Andres, Kristina//Barbara Scholz (Illu.)

Mucker und Rosine

 

 

 

 

Beltz Verlag

geb. 186 S., ab 6 J.

€ 13,95,

 

 

 

Alles könnte so schön sein, wenn nur der fiese Fuchs nicht wäre!

 

Hase Mucker wird es in der Stadt bei seiner Tante Heidi langsam zuviel. Ihr Putzfimmel bringt ihn zur Weißglut. So kann er sein Glück kaum  fassen, als er erfährt, dass er ein Haus am Waldrand geerbt hat. Er überlegt nicht lange, schnappt seine sieben Sachen und macht sich auf den Weg durch den geheimnisvollen Wald, in dem allerhand Abenteuer auf ihn warten. Es ist nicht so einfach für ihn, sein neues zu Hause im Wald zu finden, aber unterwegs findet er schnell Freunde: die smarte Feldmaus Rosine, die ihn immer wieder aus misslichen Situationen befreit, Molle Maulwurf und die freundliche Elefantendame Berta. Gemeinsam sind sie unschlagbar beim Meistern von Abenteuern, wie skurrile Eulenhypnosen, Überschwemmungen und vor allem, wenn Tante Heidi plötzlich und unerwartet im Waldmeisterrausch auftaucht. Wären da nicht die gemeinen Angriffe vom fiesen Fuchs! Allen ist klar, ihm muss endlich das Handwerk gelegt werden. Aber wer die richtigen Freunde hat, muss sich vor nichts fürchten, selbst nicht vor dem bösen Fuchs. Dieses skurrile und einfallsreiche Kinderbuch bringt alle zum Schmunzeln. Auch die witzigen und gelungenen Illustrationen von Barbara Scholz tragen zur guten Laune bei.
Ein Buch zum Vorlesen, gemeinsamen Anschauen und Lachen.
 

 

Empfohlen von Monika Rieth

 

 

Anne Fine
Tagebuch einer Killerkatze
Mit Illustrationen von Axel Scheffler
Aus dem Englischen von Barbara Heller

 

61 Seiten
geb. 9,95 €, ab 6 J.
Moritz Verlag

 

 

 

 

"Okay, okay, hängt mich ruhig auf! Ja, ich hab den Vogel getötet. Du lieber Himmel, ich bin nun mal eine Katze." -

 

Was für ein ungewöhnlicher und starker Anfang für ein Kinderbuch! Erzählerin der Geschichte ist Kuschel, Ellies heiß geliebte Katze. Am Montag präsentiert Kuschel voller Stolz ihrer Familie einen erlegten Vogel auf dem Teppich im Wohnzimmer. Nobody is amused - selbst Ellie bekommt einen Weinkrampf. Am Mittwoch bringt Kuschel eine tote Maus ins Haus. Ellie ist verzweifelt und redet ihrer Katze ins Gewissen, doch bitte ihr zuliebe damit aufzuhören, ständig tote Tiere anzuschleppen. Kuschel versucht zumindest "reumütig dreinzuschauen". Als Kuschel aber am Donnerstag den toten Hasen der Nachbarn durch die Katzenklappe zerrt, sind alle außer sich und der Katze werden harte Konsequenzen angekündigt.

 

Alle Indizien scheinen gegen Kuschel zu sprechen, aber ist sie wirklich Hoppels Mörderin? In dem Satz "Ich bin nun mal eine Katze", der sich durch das ganze Buch zieht, zeigt sich das Problem, das Ellie mit Kuschel hat: Es fällt ihr schwer zu akzeptieren, dass ihre liebe Kuschelkatze ein Raubtier ist, das tötet. Während die Menschen reden (können), kann Kuschel nur zuhören und niemals etwas richtig stellen oder gar widersprechen. Mit feinem Humor und einem herrlich ironischen Ton lässt uns Anne Fine an Kuschels Überlegungen und ihren für niemand hörbaren Kommentaren teilhaben. Damit veranschaulicht sie, ohne zu moralisieren, dass nicht immer alles so ist, wie es scheinen mag, und dass man sich vor all zu schnellen Urteilen hüten sollte.

Die mal wieder großartigen Illustrationen von Axel Scheffler bereichern den tollen Text aufs Vortrefflichste. "Für alle, die schon gerne selber lesen", hat der Moritz-Verlag seine Buch-Reihe genannt, in der das "Tagebuch einer Killerkatze" erschienen ist. Es eignet sich aber auch hervorragend, um es Kindern, die noch nicht lesen können, vorzulesen.

 

Empfohlen von Ralph Wagner

 

 

 

Aleksandra Mizielińska/Daniel Mizieliński

Unter der Erde - Tief im Wasser

Aus dem Polnischen von Thomas Weiler

 

 

 

Moritz Verlag
112 Seiten, ab 7 J.

€ 29,--

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie sieht es auf dem Grund der Ozeane aus oder tief unter der Erde?

 

Mit ihren gelungenen Bildern entführen die beiden Illustratoren Aleksandra Mizielińska und Daniel Mizieliński in "Unter der Erde - Tief im Wasser" junge LeserInnen in eine atemberaubende, unbekannte Welt.

Bereits das Inhaltsverzeichnes Ihres neuen Kinderbuches ist ein doppelter Augenschmaus, denn die beiden Autoren legen mit "Unter der Erde – Tief im Wasser" ein Wendebuch vor.

Das blaue Cover führt ins Wasser und das rötliche Cover unter die Erde.
 

Es ist eine faszinierende und wenig erforschte Welt, der sich die beiden Zeichner und Autoren widmen. Und wie bei den Vorgängerbüchern zeigen sie erneut ihr großes gestalterisches Können.
Mit gelungenen Illustrationen und fundierten Kurztexten führen sie uns das Leben auf der Erde im flüssigen und festen Untergrund vor Augen. Meter für Meter steigen sie hinab ins Wasser und unter die Erde.

Im Wasserteil geht es vom See ins Meer, über Korallenriffe, Fische und Säuger zu rauchenden Schloten bis in die Tiefsee mit ihren unheimlichen Bewohnern. Im Challenger-Tief (10.994 Meter), am Boden des Marianengrabens, ist die Unterwasserreise schließlich in der Mitte des Buches zu Ende. Dann stößt man auf die Erde, denn hier treffen sich die beiden Tiefenbohrungen.
Warum gehen schwere Boote nicht unter? Wie schwimmen Fische? Was bedeuten Wasserdruck und Dichte? Wen fressen Koloss-Kalmare? Und wie? All diese Fragen erklären handgeschriebene Begleittexte, die das Wesentliche auf den Punkt bringen und auch Kurioses nicht aussparen, wie etwa den 260 Kilogramm schweren Tauchanzug der Brüder Carmagnolle (1882).
Dass es unter der Erde nicht weniger spannend zugeht, und das Leben hier ebenso vielfältig ist wie die technischen Möglichkeiten des Menschen, Tausende von Metern in die Tiefe vorzustoßen, zeigt der andere Erzählstrang des Buches. Er beginnt mit Würmern und Maulwürfen, Knollengewächsen und Wurzeln, führt zu Leitungen und Kabeln, in Höhlen und U-Bahn-Röhren, vorbei an Fossilien und Bodenschätzen, über Vulkane und Geysire bis ins Innerste der Erde.

Mit ihrem neuen Buch ist dem polnischen Autoren- und Illustratorenduo Aleksandra und Daniel Mizielinski   nicht zum ersten Mal ein wahres Meisterwerk gelungen

 

 

Empfohlen von Monika Rieth

Piotr Socha

Bienen

Aus dem Polnischen von Thomas Weiler

 

Gerstenberg Verlag

68 Seiten, ab 6.J.

€ 24,95

 

 

 

 

Bienen soll es bereits seit mehr als 100 Millionen Jahre geben. Vermutlich waren sie seit Beginn ihres Erscheinens jagende Räuberinnen, die andere sich von Blütenpollen und Blütennektar ernährende Insekten fraßen,  aber im Laufe der Evolution ihre Ernährungsgewohnheiten änderten und zu Vegetarierinnen wurden. Und so ist es bis heute geblieben. Bienen sind nicht die einzigen, aber noch immer die wichtigsten Bestäuber. Sie sorgen für die Vermehrung der Pflanzen und damit dafür, dass wir Obst und Gemüse und obendrein auch noch den gesunden und leckeren Honig ernten können.
Das prächtig und amüsant illustrierte Buch von Piotr Socha anzuschauen und die durch und durch informativen Texte zu lesen, ist ein wahrer Genuss. Egal ob klein oder groß, wer sich noch nicht näher mit Bienen beschäftigt hat, wird viel über sie erfahren und große Freude mit diesem Buch haben. Neben einer Fülle an grundlegend Wissenswertem ist das Buch zudem eine wahre Fundgrube für interessante Details aus dem Leben der Bienen und der Welt der Imkerei.
In 36 "Kapiteln" widmet sich Piotr Socha überwiegend mit Doppelseiten jeweils einem Aspekt. Das sind, um einige Beispiele zu nennen:
Der Körperbau der Bienen, Menschen und Bienen, Bienenkönigin und Fortpflanzung,
Bienentänze, Bienen im alten Ägypten und der griechischen Mythologie,Ausrüstung des Imkers, Wanderimkerei, Stadtbienen und Insektenhotels.....
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Dieses großartige Familienbuch vermittelt Wissen auf äußerst unterhaltsame Weise und bringt mit mancher Textstelle oder Details der wunderbaren Zeichnungen zum Lachen. Mir persönlich haben die Kapitel über Zeidlerei, Figurenbeute und die Honigernte bei Wildbienen in Afrika und Asien besonders gefallen.

Empfohlen v. Ralph Wagner

 

 

Alison McGhee

Komm, wir fliegen zum Mond

Die großen Abenteuer von Fünkchen und Zirps

 

 

Hanser Verlag

geb. 256 S., ab 8 J.

€ 17,-

 

 

 

Eine Mondreise mit Freunden!

Fünkchen, das Glühwürmchen,  träumt von einer Reise zum Mond, ohne Rakete, nur mit eigener Kraft. Allzu eng und wohlbehütet ist ihm der hohle Baum, in dem geborgen das Glühwürmchenvolk lebt. Fünkchen ist das neugierigste und mutigste der Glühwürmchenkinder. Elder, der Hüter der Glühwürmchenkinder, hat viel Verständnis für Fünkchens heimliche Ausflüge, nachts, wenn alle anderen in  ihren Spinnwebhängematten schlafen. Er versorgt Fünkchen mit den besten Ratschlägen, wie man sich am besten vor den Riesen (den Menschen) und anderen Gefahren schützt. Natürlich hat Fünkchen mutige Verbündete. Da ist ihr Freund Zirps, der Grillenjunge, der unbedingt ein Ass unter den Fängern beim Baseball werden möchte. Zusammen wagen sie sich aus dem Tal der Glühwürmchen hervor, um ihre Träume in die Tat umzusetzen,  und natürlich helfen sie dabei auch Peter dem „Riesenkind“, der seinen besten Freund Charlie sehr vermisst.

Genauso gelungen wie die Geschichte der amerikanischen Autorin Alison McGhee, die neben Kinder- und Jugendbüchern auch Romane für Erwachsene schreibt, sind die Vignetten und ganzseitigen farbigen Bilder  von Christopher Denise. So fängt er z.B. einen kleinen Löwenzahnsamen so detailliert ein, als würde er ihn durch eine Lupe betrachten.
Fünkchen und ihre Freunde probieren viele neue Dinge aus. Sie lassen sich nicht von ihrem Weg abbringen, auch wenn sie dabei gehörig bei ihren Lehrern anecken.

Ein wunderbares Buch über Freundschaft, Mut und das Verwirklichen von Träumen.

 

 

Empfohlen von Monika Rieth

 

Boie, Kirsten

Thabo - Detektiv Gentleman

Der Nashorn-Fall

 

 

Oetinger Verlag

geb. 304 S. ab 10 J.

€ 13,40

 

 

Little Mister Marple

 

 

Thabo und Sifiso sind Waisenkinder und leben in  Südafrika. Sifiso und seine drei kleinen Geschwister sind auf sich gestellt, während Thabo, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, bei seinem Onkel einem Wildpark-Ranger lebt. Befreundet ist Thabo auch mit Emma, deren Mutter ein Hotel besitzt, und Emmas Großmutter Miss Agatha. Gemeinsam schauen sie sich Miss Marple Filme an, und davon inspiriert, möchte Thabo Privatdetektiv werden, oder auch Gentleman, denn Thaibo legt sehr viel wert auf gutes Benehmen.

Da wird im Naturschutzpark  ein Nashorn wegen seines Horns getötet und Thabos Onkel gerät unter Verdacht. Um ihn zu entlasten, versuchen Thabo und seine Freunde den Fall aufzuklären............
Auffallend ist, wie sensibel Kirsten Boie die kulturbedingt unterschiedlichen Wahrnehmungen der Romanfiguren in die Handlung eingeflochten hat.   
Ein lesenswerter Kinderkrimi. Mittlerweile gibt es einen zweiten Band von Thabo, und um seinen zweiten Fall zu lösen, muss er einer Krokodilspur folgen.

 

Empfohlen von Monika Rieth
 

 

 

Katrin Zipse:

Antonia rettet die Welt

Papageienparty

 

 

 

Magellan Verlag

272 S., ab 11 J.

€ 14,95

 

 

 

Im Ungarischen gibt es vierzehn Buchstaben mehr als bei uns!


Toni ist dreizehn und hat zwei volljährige, aber immer noch pubertierende Geschwister namens Igor und Valentina.
Tonis Vater ist etwas unbeholfen und tollpatschig. Er versucht in Ungarn eine Computerfirma aufzubauen, dabei quetscht er sich in einem Fotokopierer ernsthaft die Hand. Um ihm zu helfen, beschließt die Mutter mit Toni für einige Monate nach Budapest zu ziehen. Dagegen sträubt sich Toni sehr, und sie googelt im Internet alle möglichen Widrigkeiten, die sie ihrer Mutter als Argumente gegen die Reise nach Ungarn vorlegt. Da ist nicht nur das Alphabet. Es soll dort auch acht Grundschuljahre geben und jeden Tag Gulasch, auch mit Hundefleisch.
In Wirklichkeit aber will Toni auf keinen Fall ihre beste Freundin Paulina im Stich lassen und auch nicht ihren Nachbarn Jonas mit Gips an Hand und Fuß. Sein Hund Mr. Bond wartet darauf, täglich von ihr Gassi geführt zu werden.

Toni schafft es, ihre Mutter zu überzeugen. Sie darf bei ihren erwachsenen Geschwistern bleiben, um darauf zu achten, dass Igor nicht immer und überall zu spät kommt und Valentina nicht ständig mit ihrem Freund versumpft. Die beiden sind jedoch nicht die einzigen Chaoten in ihrem Leben. Da sind Paulinas kleine quirlige Zwillingsbrüder Matti und Marek, die sie hütet, damit Paulina sich mit ihrem Schwarm Bekir treffen kann. Bei ihrem geheimen Zooausflug mit den Zwillingen rechnet Toni nicht mit der Tragweite, die der Unfug der beiden anrichtet, und auch nicht damit, auf abenteuerliche Jagd nach einer Diebesbande zu gehen, die Tiere stiehlt. Ganz schön chaotisch, aber spannend.........

 

Katrin Zipse ist ein quirliger „Familien-Chaoten-Freundschafts-Liebes-Krimi-Abenteuerroman für Kinder ab 11 Jahre gelungen, der sich mit viel Spaß und Spannung liest. Die sympathische, leicht zerstreute Ich-Erzählerin Antonia liefert beim Lesen viele Impulse zum Schmunzeln, lautem Lachen und Kopfschütteln.

 

 

Empfohlen von Monika Rieth

Funke, Cornelia

Die Feder eines Greifs

 

Dressler Verlag

400 S., geb., ab 10 – 99 J.

€ 18,99

 

"Wenn Drachen träumen, fliegen sie.“

 

 

Zwei Jahre (im wirklichen Leben neunzehn) nach dem Sieg über Nesselbrand sind vergangen. Lung und seine Drachen-Gefährten leben am Saum des Himmels im Himalaya. Der nun 14-jährige Ben hat sich mit seiner Familie nach Norwegen zurückgezogen, in das verborgene Tal Mimameidr, einer Art Schutzzone für Fabelwesen. Für Neueinsteiger werden zu Beginn des Buches die wichtigsten Figuren noch einmal vorgestellt, z.B.: Lung, der silberne Drache, der sich vom Licht des Mondes ernährt; die Familie Wiesengrund, engagierte Fabelwesenschützer; der von ihr adoptierte Waisenjunge Ben; die Koboldin Schwefelfell und der Homunkulus Fliegenbein. Zu den Protagonisten des ersten Bandes gesellen sich nun viele andere einzigartige Wesen und Fabeltierarten hinzu.
In Griechenland hat der Pegasus Anémos, der letzte seiner Art,  seine Lebensgefährtin Synnefo verloren. Nun kommt er ins Tal mit drei mutterlosen Eiern, die ausgebrütet werden müssen. Damit sie wachsen, müssen sie regelmäßig mit dem Saft der Sonnenfeder eines Greifs eingerieben werden. Aber Greife sind nicht nur grausame und herrische Tiere, sie hassen auch Pferde und Drachen. Es ist also nicht davon auszugehen, dass Ben und seine Familie mit deren Hilfe rechnen können. Auf der Suche nach den Greifen reisen Ben und sein Ziehvater Barnabas Wiesengrund gemeinsam mit der fliegenden Ratte Lola, dem Fjordtroll Hothbrodd und der nervösen Honigpapageiin Me-Rah  nach Indonesien. Am Ende, als ihre Suche immer gefährlicher wird, brauchen sie doch noch die Hilfe des Silberdrachens Lung und seines Kobolds Schwefelfell. Es kommt zu einem spannenden Showdown im Dschungel und wie die Geschichte endet? Das erfährt nur, wer das Buch liest oder vorliest.

 

Die Illustrationen zu ihrem neuen Buch hat Autorin Funke selbst gezeichnet.
In der „Feder des Greifs“ möchte Cornelia Funke die Welt in ihrer Vielfalt und Schönheit würdigen und sich für deren Schutz und Erhalt einsetzen, diese Absicht hat sie in ihrer leicht moralischen Widmung dem Buch vorangestellt: „Ich habe diese Geschichte nicht für die geschrieben, die die Welt regieren wollen. Nicht für die, die ständig beweisen müssen, dass sie stärker, schneller, besser als alle anderen sind… Diese Geschichte ist für all die, die den Mut haben zu beschützen, statt zu beherrschen, zu behüten, statt zu plündern und zu erhalten statt zu zerstören.

 

Cornelia Funke hat einen neuen Drachenreiter-Roman geschrieben, der nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene begeistert. Ich habe mich auf das Wiedersehen mit Ben, Lung, Schwefelfell  und Co. Sehr gefreut, und ich muss sagen, meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Empfohlen von Monika Rieth

 

Wegelius, Jakob

Sally Jones - Mord ohne Leiche

aus dem Schwed. von Gabriele Haefs,

 

 

Gerstenberg Verlag

geb., ab 12-99 J.

€ 19,95

                                                              

 

 

Die Gorilladame Sally Jones gelangte einst auf verschlungenen Wegen aus dem Herzen Afrikas nach Europa. Seitdem  segelt sie mit dem finnischen Seemann und Schiffseigentümer  Henry Koskela  als Maschinistin auf der Hudson Queen, einem kleinen Frachtdampfer, über die Weltmeere.
Was Sally Jones so besonders  macht, ist nicht nur,  dass sie eine Gorilladame ist. Sie hat sich im Laufe ihres Lebens eine ganze Menge menschliche Fähigkeiten angeeignet, wie z.B. das Lesen, Schreiben, Rechnen, Dampfmaschinen bedienen und reparieren,  und viele andere handwerklichen Fertigkeiten. Auch ein feiner Sinn für Musik und Literatur fehlt ihr nicht. Außerdem ist sie Philantropin, denn das Leben ihr nahe stehender  Menschen liegt ihr sehr am Herzen. Eines Abends – wir befinden uns sehr authentisch in den zwanziger Jahren – beginnt sie nach getaner Arbeit als Maschinistin,  in ihrer Kajüte auf  einer Schreibmaschine der Marke Underwood No. 5, Baujahr 1908, die abenteuerlichen Ereignisse niederzuschreiben,  die ihr und ihrem Kapitän im Laufe der Jahre widerfahren sind.  
Jakob Wegelius selbst hat Sallys Erzählung mit schwarzweißen Tuschebildchen an den Kapitelanfängen verziert.
Reiserouten von Sally Jones können in historischen Frontispizkarten nachverfolgt werden.
Sallys Tagebuch zählt ganze 620 Seiten. Die Handlung setzt an Bord der Hudson Queen ein, die bei einem Unwetter auf See untergeht.  Kapitän Henry Koskela und seine Maschinistin verschlägt es in den Hafen Lissabons. Bei einem Streit im Hafen stürzt ein Portugiese ins Wasser. Was wichtig für den Verlauf der Geschichte ist, seine Leiche wird nie gefunden. Kapitän Koskela wird fälschlicherweise des Mordes verdächtigt und und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Dadurch ist Sally Jones gezwungen sich länger in Lissabon aufzuhalten als ihr lieb ist. Sie ist fest entschlossen die Unschuld ihres Kapitäns zu beweisen.
Nach einer gnadenlosen Jagd durch die alten Gassen Lissabons, verfolgt von aufgebrachten Menschenmeuten, findet Sally Trost bei der der jungen Fabrikarbeiterin Ana Molina, einer leidenschaftlichen Fadosängerin, und ihrem Hauswirt Luigi Fidardo, einem begnadeten Instrumentenbauer und Uhrmacher. Hier findet Sally erst einmal  die nötige Ruhe, bevor sie sich auf den Weg um die halbe Welt macht, um mit detektivischem  Gespühr zu beweisen, was es wirklich mit der verschwundenen Leiche im Hafen auf sich hat.

 

Ihre lange und abenteuerliche Reise führt sie von Lissabon über Istanbul, Singapur, Alexandria und Bombay bis in den sagenhaften Palast des Maharadschas von Bhapur und letztendlich auch nach New York. Um das Ende der Geschichte zu erfahren, hilft nur Lesen.

 

Das Tagebuch von Sally Jones wird auch Mädels und Jungs in den Bann ziehen, die sich sonst gerne auf das Lesen von Comics beschränken.

 

Kein Wunder, dass „Sally Jones“ mit dem renommierten "Augustpreis" für das beste schwedische Kinderbuch 2014 ausgezeichnet wurde. Fabelhaft übersetzt wurde es von Gabriele Haefs

 

empfohlen von Monika Rieth

 

 

 

Mats Wahl

Sturmland - die Reiter (Bd. 1)

aus dem Schwedischen von Gesa Kunter

 

 

 

 

 

 

Überleben in einer Welt voller Gefahren

 

 

Ich habe einige Bücher des schwedischen Jugendbuchautors Mats Wahl über die Jahre gelesen, und so hat mich auch sein ganz neues Projekt „Die Sturmlandreihe“ gleich sehr neugierig gemacht.

 

Mit der neuen Sturmlandserie erleben wir einen ganz unüblichen Mats Wahl, denn er hat für sein neues literarisches Projekt die Form der Dystopie und Abenteuergeschichte gewählt. Seinen politischen und gesellschaftskritischen Themen, die er fast ausschließlich Jugendlichen widmet,  ist er jedoch treu geblieben,
Teil I des Sturmlandepos - Die Reiter:
Schweden im Jahre 2060: Ziemlich unwirtlich ist die Welt geworden. Infolge einer atomaren Katastrophe ist eine verheerende Klimaveränderung eingetreten. Stürme haben ganze Landstriche zerstört und feiner Sand färbt alles rot. Die meisten Menschen sind dem Befehl der totalitären Regierung gefolgt und in die Städte gezogen, so sind sie für das System besser überwachbar.  Einige Familien  haben sich jedoch widersetzt und sind auf dem Land geblieben, in ständiger Angst vor der Gewalt marodierender Rebellen. So ergeht es auch der Familie der 16-jährigen Elin. Mit den Geschwistern Lisa und Vagn lebt sie  mit ihren Eltern und Großvater Frans - der die Welt auch noch kannte wie sie vor der großen Katastrophe war - auf einem Hof, der einer Festung ähnelt. Unter Argwohn  und Furcht wird mit High-Tech-Geräten, Bildschirmen und Kameras die Umgebung beobachtet. Viele Güter und vor allem Lebensmittel sind äußerst knapp geworden. Es fordert oft viel Geschick und Schmugglerlist,  sie zu ergattern.
Bei einem Ausritt geraten Elin und ihr Bruder Vagn in einen Hinterhalt.  Die starke Elin kann sich  mit ihrer Armbrust verteidigen, aber ihr Bruder Vagn wird entführt. Eine abenteuerliche und lebensgefährliche Suche nach ihrem Bruder beginnt.
Wie unser Leben in 50 Jahren aussehen könnte, ist eine interessante Frage, und die Sturmland-Reihe  der Versuch, eine Antwort  zu geben, die nicht unbedingt positiv ausfällt.

 

Mats Wahl arbeitet nicht mit Rückblenden, die erklären wie es zur Katastrophe gekommen ist. Es werden nur die Auswirkungen beschrieben, wie, dass z.B.: Wildschweine so kontaminiert sind, dass sie von Spezialtrupps getötet und entsorgt werden müssen.

 

Einerseits werden beinah mittelalterliche Szenarien gezeichnet, z.B., wie Menschen sich mit Speer, Armbrust, Axt und Messer verteidigen, andererseits existieren moderne Kommunikationsformen, die jedoch immer wieder versagen. Die Nachrichten, auf den Bildschirmen enthalten nichts Informatives mehr, sondern lediglich Propaganda.
Fazit: Die Lektüre von Sturmland macht süchtig. Sie ist fesselnd und packend sodass man Band 2 und 3 gleich weiterlesen möchte,  und im Frühjahr können ungeduldig wartende Leser/Innen sich auf Band 4 und 5 freuen.

 

Empfohlen von Monika Rieth   
 
                                        

 

 

 

 

Emil Ostrovski

Wo ein bisschen Zeit ist

 

 

Fischer Verlag

geb. 302 Seitenab 12 -99 J.

€ 16,99

 

 

 

Drei Teenager und ein Baby auf der Flucht vor der Polizei!

 

An seinem 18. Geburstag bekommt Jack Podolsky einen unerwarteten Anruf von Ex-Freundin Jessie. Sie liegt in den Wehen und zwar mit seinem Kind. Also macht Jack sich auf den Weg ins Krankenhaus, um dort zu erfahren, dass sein Sohn Sokrates - genau der richtige Name für ein Neugeborenes findet Jack - laut Geburtsurkunde vaterlos ist und zur Adoption freigegeben wird. Jack handelt kurz entschlossen, entführt sein Baby aus dem Krankenhaus, kauft sich ein Auto und macht sich auf den Weg, seinen besten Freund Tommy aufzugabeln, und Sokrates offiziell seiner an Alzheimer erkrankten Großmutter vorzustellen. Am Ende schafft Jack es, auch Jessie zum Mitkommen zu bewegen. So befinden sie sich dann zu viert, drei Teenager und ein Baby, auf einem aberwitzigen Road- und Boattrip, auf dem Jack nicht nur tiefschürfende Gespräche mit Sokrates führt, sondern es auch zu einigen Aussprachen zwischen den drei Erziehungsberechtigten auf Zeit kommt. Unterwegs geraten die vier in einige skurrile und auch durchaus heikle Situationen. In den Nebenrollen treten dabei unter anderem auf: ein nettes, aber merkwürdiges Ehepaar, ein Bär, ein möglicherweise Verrückter und der größte Kiesel der Welt.

Emil  Ostrovski gelingt mit "Wo ein bisschen Zeit ist" ein außerordentlicher Roman. Er schafft es gleichzeitig, philosophisch, tiefgründig und gut lesbar zu sein. Ostrovski hält ein Plädoyer darauf, nicht immer alles einfach so hinzunehmen, sondern nachzudenken, und wenn man handelt, auch Verantwortung dafür zu übernehmen.

Ein aberwitziges, zeitweise urkomisches Buch voller Anspielungen, philosophisch und anrührend.

 

Empfohlen von Louisa Scherer

Holly Goldberg Sloan

Glück ist eine Gleichung mit 7

aus dem Englischen von Wieland Freund

 

 

 

Hanser Verlag,

geb., 304 Seite, ab 12 Jahren

€ 16,90

 

 

 

Willow Chance, nach einem Kaltklimabaum benannt,  ist anders. Sie zählt in 7er Schritten - überhaupt findet sie die Zahl 7 sticht positiv unter den anderen hervor -, lernt mal  eben eine Sprache nebenbei (Vietnamesisch), um sich mit ihrer neuen und einzigen Freundin in deren Muttersprache unterhalten zu können, hat ein überdurchschnittliches Interesse an den Hautkrankheiten anderer Menschen und studiert das Verhalten von Fledermäusen.

Als Willow  mit 12 Jahren ihre (adoptiv) Eltern bei einem Autounfall verliert, sind alle Menschen, die sie noch hat, der "unfähige" Sozialarbeiter Dell Duke, ihre Freundin Mai Nguyen mit Bruder Quang-ha und deren Mutter Pattie sowie den mexikanischen Taxifahrer Jairo. Diese Fünf versuchen, wenn auch auf einem nicht ganz legalen und unkonventionellen Weg, Willow vor einem Leben in einer Pflegefamilie zu bewahren.

 

Mit "Glück ist eine Gleichung mit 7" hat Holly Goldberg Sloan eine gelungene Mischung aus lustigen, traurigen und sehr hoffnungsvollen Szenen und somit eine wahnsinnig schöne und herzerwärmende Geschichte zu Papier gebracht, die aus Willows Sicht, aber auch der ihrer Freunde erzählt wird.

Dieses Buch ist für alle - von 12 bis 99 - wärmstens zu empfehlen, denen es nicht peinlich ist, beim Lesen an öffentlichen Orten laut los zu lachen, ober eben auch mal die eine oder andere Träne zu vergießen.

 

 

Empfohlen von Louisa Scherer


Olsson, Ingrid

Gleich, sagt Mama

 

Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer.

Illustrationen: Charlotte Ramel. Ab 3 Jahre

 

 

Bilderbuch, geb.,  ab 3 J., 32 S.

Klett Kinderbuch Verlag

13,95 €

 

 

Frida kommt mit ihrer Mama vom Einkaufen zurück. Sie waren mit dem Auto unterwegs. Als sie aussteigen, macht Frida einen aufregenden Fund: ein platt gefahrener, schon ganz vertrockneter Frosch liegt da auf der Straße. Diesen tollen Fund möchte Frida selbstverständlich ihrem Freund Malte zeigen. “Aber Mama sagt gleich. Erst wird gegessen”.

Dabei möchte Frida doch so gerne Malte sofort ganz genau erzählen, wo und wie sie den Frosch gefunden hat, und natürlich auch mit ihm gemeinsam darüber spekulieren, wie es wohl dazu gekommen ist, dass der Frosch jetzt so aussieht. “Aber Mama sagt Nein. Das Essen ist fertig. Den Frosch kannst du später zeigen”, obwohl das Essen noch im Ofen steht und Mama gerade erst den Tisch deckt! Klar, dass Frida immer ungeduldiger und übellauniger wird, weil alles einfach viel zu lange dauert.

Frida beginnt deshalb schon mal alleine, den Frosch genauer zu untersuchen, und versucht, ihren Kater Ozzy für die tolle Trophäe zu interessieren. Der zeigt jedoch keinerlei Interesse, und Mama schimpft dann auch noch: “Igitt. Tu den weg. Du kannst später damit spielen”. Und mit später meint Mama nach dem Essen. Dabei ist das Essen noch immer nicht fertig, und die Worte gleich und später mag Frida nun gar nicht mehr hören. Schlagartig ist Fridas Geduld zu Ende: sie will und kann jetzt nicht mehr warten. Auch ihren Zorn und ihre Wut kann sie jetzt nicht mehr länger im Zaum halten. Jetzt möchte Frida nur noch irgendetwas kaputt machen…

Das wunderbare Bilderbuch verdeutlicht in seinen frechen Bildern, die in ihren Details an Kinderzeichnungen erinnern, Fridas sich verändernde Gemütszustände und thematisiert die wichtige Frage nach dem Umgang mit Ungeduld und Wut auf sehr anschauliche und für Kinder ab 3 Jahren gut nachvollziehbare Art und Weise. Es zeigt einerseits, dass es (nicht nur für Kinder) nicht immer leicht, aber sehr wichtig ist zu lernen, auch mit unguten Gefühlen umzugehen. Warten und Geduld müssen gelernt werden. Andererseits macht die Geschichte auch klar, dass die eigene Aktion immer eine Reaktion beim Gegenüber hervorruft und eigenes Verhalten nicht folgenlos bleibt. Und nicht zuletzt können Eltern hier erkennen, wie wichtig es nach einem Streit oder Interessenskonflikt ist, ein klärendes Gespräch, Trost, Verständnis und Versöhnung miteinander einzuüben.

 

empfohlen von Ralph Wagner

 

Komako Sakai:

Hannas Nacht

aus dem Japanischen von: Ursula Gräfe

 

 

 

Bilderbuch, ab 3 Jahre

Moritz Verlag

€ 12,95


      

 

Erinnern wir uns nicht aus Kindertagen, wie unheimlich und dunkel die Nacht sein kann? Wenn alles ganz still ist, jedes leise Knarzen und Knistern die Sinne in der Dunkelheit schärft, und die Phantasie dunkle Wesen und Ungeheuer aus der Ecke schlüpfen lässt.

Über die Bewältigung der Angst im Dunkeln gibt es viele Bilderbücher. Dort werden bedrohliche Monster zu kuscheligen und liebreizenden Ungeheuern, zeigen sich von ihrer freundlichsten Seite und wiegen das verängstigte Kind in den Schlaf.

 

Ganz anders erlebt Hanna die Nacht. Sie erwacht im Dunkeln, reibt sich die Augen, setzt sich auf und horcht. Es ist still und alle schlafen. Sie berührt ihre Schwester an der Schulter, doch die schläft tief und fest.  Aber da ist noch jemand, der nicht schläft und sich dehnt und streckt – Chino das Kätzchen.

 

Hanna streift allein mit Chino durchs Haus. Gibt Chino ein Schälchen Milch und isst heimlich Kirschen. Niemand merkt etwas. Sie betrachtet gebannt den leuchtenden Mond, geht zurück ins Kinderzimmer. Ihre Schwester schläft noch immer. Heimlich borgt sie sich ihre Puppe, ihre Spieluhr, dann Stifte, Heft und Mäppchen. Kuschelt sich ins Bett und spielt damit. Draußen gurrt eine Taube und langsam wird es hell. Hanna gähnt, reibt sich die Augen, kuschelt sich neben ihre Schwester und schläft mit Kätzchen Chino ein.

 

In warmen Blau-Grau-Tönen gezeichnet, ist dieses Bilderbuch von Komako Sakai wie gemacht für alle Kinder, die sich im Dunkeln fürchten oder einmal ganz alleine die Nacht erkunden möchten....

 

Zuletzt erschien von der Autorin, ebenso im Moritz Verlag, das Bilderbuch Der Bär und die Wildkatze (Text von Kazumi Yomoto).

 

Empfohlen von Monika Rieth

 

 

 Gabriele Zevin: Bitterzart

 

Fischer Jugendbuch, 540 Seiten, € 16,99

ab 12 Jahre

 

New York im Jahre 2083: Nach einer großen Wirtschaftskrise sind Luxusgüter wie Schokolade und Kaffee verboten, Lebensmittel und Wasser rationiert. Täglich werden neue Sanktionen erlassen und Verbote erteilt. Die Polizei und die Regierung sind korrupt. Da ist es kein Wunder, dass der Schwarzmarkt auf den Straßen von New York aufblüht.

Anya Balanchine, 16 Jahre alt, lebt zusammen mit ihren Geschwistern und ihrer Großmutter in Manhattan. Da ihre Eltern tot sind, und ihre Großmutter zu alt und krank ist, um sich um die Familie zu kümmern, liegt es an Anya, dass alles seinen gewohnten Gang geht.

Alles was Anya möchte ist, dass ihre Familie sich in Sicherheit befindet.

Nicht gerade hilfreich dabei ist, dass ihre Familie die führende unter den Schokoladenschmugglern, auf dem Schwarzmarkt ist.

Obwohl Anya versucht, sich so gut wie möglich aus den Geschäften ihres Familienclans heraus zu halten, wird sie doch von allen mit ihnen in Verbindung gebracht.

Dass sie sich in Win Delacroix verliebt, hätte so schön sein können, wäre Win nicht der Sohn des zweiten Staatsanwaltes von New York, der für seine Initiative gegen den Schwarzmarkt und die Schmugglerei berüchtigt ist. Win Delacroix sieht es natürlich überhaupt nicht gern, dass sein Sohn mit der Tochter eines Mafiabosses zusammen ist. Er denkt, zurecht, dass dies seine Glaubwürdigkeit als Staatsanwalt in Frage stellt.

Als auf Anya auch noch der Verdacht des versuchten Mordes fällt, ist für ihn klar, dass die Beziehung seiner Karriere schadet. Er verbietet den beiden den Umgang miteinander. Sie treffen sich jedoch trotz allem weiterhin. Eine Weile geht das auch gut, bis die Presse von der Sache Wind bekommt.

Nun liegt es an Anya sich zu entscheiden, zwischen ihrer Familie, die sie über alles liebt oder Win, ihrer ersten großen Liebe.

Aufmerksam auf das Buch, bin ich  durch das schöne und durchaus passende Titelbild geworden. Am Anfang hat es ein bisschen gedauert, bis ich mich in die Geschichte eingefunden hatte und mit der Protagonistin richtig mitfühlen konnte, was wahrscheinlich daran lag, dass man ohne eine wirkliche Einleitung direkt in die Geschichte hinein geworfen wird..

Obwohl das Buch mit über 500 Seiten ziemlich umfangreich ist, eignet es sich, dank der flüssigen und teilweise witzigen Erzählform, auch für jene, die eher weniger lesen. Da die Hauptperson 16 Jahre alt ist, und es an manchen Stellen auch mal ziemlich heftig zugehen kann, empfehle ich das Buch für alle, die älter als zwölf sind.

 

Empfohlen von Louisa Scherer

Sven Nordqvist

Findus zieht um

Deutsch von Maike Dörries

 

Bilderbuch, ab 4 Jahre,

Oetinger Verlag 2013, 12,95 Euro

978-3-7891-7909-9

 

Es wurde ja auch höchste Zeit! Nach über 10 Jahren können sich alle Fans nun endlich über ein neues Pettersson und Findus Bilderbuch freuen, und in der Geschichte können Eltern und Kinder sich wunderbar wiederfinden:

Der Kater Findus, mittlerweile so groß, dass er in einem eigenen Bett „mit hervorragender Federung“ schläft, raubt Pettersson den Schlaf. Jeden Morgen um 4 Uhr beginnt Findus mit seiner „Morgengymnastik“, will heißen, er hopst so lange auf seinem quietschenden Bett herum, bis Pettersson der Kragen platzt. Findus soll entweder erst hopsen, wenn Pettersson ausgeschlafen hat, oder er soll ausziehen. Da muss Findus nicht lange überlegen, denn Hopsen macht einfach viel zu viel Spaß: er zieht aus. Damit hatte Pettersson allerdings überhaupt nicht gerechnet. Schon graust ihm vor der Stille im Haus und vor den einsamen Abenden, also davor, dass alles wieder so wird wie zu der Zeit, bevor Findus zu ihm gekommen war. Trotzdem erfüllt er Findus den Wunsch nach einem eigenen kleinen Haus, das hoch genug zum Hopsen ist. Flugs wird das alte Plumpsklo zu Findus‘ neuem Zuhause umgebaut.

Findus zieht um ist wie seine Vorgänger ein großartiges Bilderbuch voller verrückter Einfälle. In ihm werden Fragen von Toleranz und Rücksichtnahme, Nähe und Distanz, persönlicher Freiheit und vielem mehr ganz ohne erhobenen Zeigefinger, liebevoll und überzeugend behandelt. Die Illustrationen sind so phantasievoll und reich an Details, dass man auch bei mehrmaligem Wiederlesen und Betrachten noch etwas zuvor Übersehenes entdecken kann. Ein herrlicher Spaß für Klein und Groß!

 

Ralph Wagner, Ypsilon Buchladen & Café

 

 

Antje Babendererde: Julischatten


Arena Verlag, 2012, 475 Seiten, 17,99 €

ab 13 Jahren

 

No way to run, nowhere to hide, no chance for a fight (aus dem Lied „Wounded Knee“ )

Sim verbringt ihren siebzehnten Geburtstag nach einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Da dies nicht ihr erster Alkoholexzess ist, schicken ihre Eltern sie zu ihrer Tante ins Pin Ridge Reservat - Heimat der Oglala Sioux, Land von Red Cloud und Crazy Horse – in den Nordwesten der USA. Das Leben dort ist für sie kein Zuckerschlecken, und sie lernt die Folgen von Alkoholismus in den zerstörten Leben der indianischen Bevölkerung kennen. Die tiefe Freundschaft mit den Blutsbrüdern Jimi und Lukas verändert sie stark. Der blinde Lukas zeigt ihr eine ganz neue Sicht auf die Welt und auf sich selbst, und in den attraktiven Jimi verliebt sie sich Hals über Kopf. Doch die Dinge in Pine Ridge sind nicht so, wie sie scheinen. Während sich die  Ereignisse im Reservat überschlagen, erkennt Sim, dass sie sich für einen der Jungs  entscheiden muss.
Fesselnd – bewegend – authentisch.

 

Empfohlen von Monika Rieth

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